Heute habe ich in der Pfarre einen Familiengottesdienst zum Karfreitag gefeiert. Es ist gar nicht so einfach, Kindern zu erklären, wieso Jesus gestorben ist. Am letzten Sonntag haben wir noch „Hosianna“ gerufen und mit buntgeschmückten Buchsbaumzweigen gewunken!
In diesem Jahr habe ich mich ganz darauf konzentriert, dass es nicht dieselben waren, die „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“ gerufen haben. Das ist mir selber erst jetzt klar geworden: das eine sind die Jünger Jesu, die mit ihm durchs Land gezogen sind. Das andere ist die Bevölkerung von Jerusalem, die von den Hohepriestern aufgehetzt werden.
Zu abstrakt für Kinder? Ich denke nicht! Auch sie kennen schon Situationen, in denen man lieber schweigt, obwohl man eigentlich reden sollte. Vielleicht wird nur was Blödes gesagt, vielleicht braucht aber auch jemand Hilfe. Mobbing gibt es schon in unseren Grundschulen, ich höre durch meine Kommunionkinder inzwischen jedes Jahr davon. Wenn die anderen in der Mehrheit sind, ist es ganz schön schwer, was zu sagen.
Das gilt auch für unsere Liebe zu Jesus: ich habe den Kindern die Tradition der Kreuzverehrung erklärt. Sie konnten eine bunte Schleife ans Kreuz legen, als Zeichen für ihre Dankbarkeit und Liebe. Aber wenn sie fanden, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, zu Jesus zu stehen, dann konnten sie einen Zweig vom Buchsbaum nehmen, der war noch von Palmsonntag. Da waren wir alle zusammen, und es war ganz einfach „Hosianna“ zu rufen. In unserem Alltag ist es das nicht immer. Wenn die Religionslehrerin fragt: „Wer geht denn bald zu Kommunion?“ und ich weiß, ich bin die einzige, dann melde ich mich nicht so gerne. Und welcher Erwachsene erzählt bei der Arbeit oder beim Sport, wie schön das Pfarrfest war oder wie berührend der letzte Evensong?
Fast alle haben einen Zweig genommen und das bunte Band hineingeknotet. Es stimmt eben beides: wir sind Gott dankbar für seine Nähe und Liebe und möchten sie erwidern. Und wir schaffen es nicht so, wie wir es möchten. Wie gut, dass er all das versteht und trägt.